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Full text of "Beitrag zur Kenntniss der jüngsten Ammoneen Norddeutschlands"

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Beitrag zur Kenntniss 

der 

jüngsten Aminoneen 

Norddeutschlands 



Dr. Clemens Schlüter. 




Bonn, 

Verlag von A. Henry. 
1867. 



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Bonn, Druck von Carl Georgi. 



Das Studium der mesozoischen Gebirgsschichten in Norddeutsch- 
land hatte seit den Fundamentalarbeiten vorzüglich von Goldfuss, 
Hoffmann und Römer längere Zeit hindurch fast geruht und na- 
mentlich im Vergleich mit Nachbarländern nur geringe Fortschritte 
aufzuweisen. In jüngerer Zeit ist auch in diesem Gebiete der vater- 
ländischen Geologie ein neuer Aufschwung eingetreten. Mit ebenso 
grossem Eifer als Erfolge sind zunächst die jurassischen Gesteine 
ihren organischen Einschlüssen sowie ihren Lagerungs Verhältnissen 
und ihrer Verbreitung nach studirt worden, wovon die Arbeiten der 
Herrn B r a u n s, C r e d n e r, F. R ö m e r, Schlönbach und von See- 
bach beredte Beweise liefern. Die Ueberzeugung, dass das Parallelisi- 
ren ganzer Schichtengruppen nicht genüge, dass das scharfe Erkennen 
der Species (ihren zoologischen Eigentümlichkeiten, wie ihrem 
geologischen Vorkommen nach) zur genaueren Schichteneintheilung 
und zum Wie der erkennen des an einem Orte durch bestimmte Arten 
characterisirten Niveaus in anderen Gegenden erforderlich sei, — 
war maassgebend. 

Dasselbe gilt für die Kreideperiode. Seitdem für die alten, weiten 
Glieder dieser Periode durch die Untersuchungen des Herrn von 
Strombeck eine präcisere Einteilung geboten ist, sind auch die 
fossilen Reste derselben Gegenstand erneuter und schärferer Unter- 



2 Einleitung. 

suchung geworden, um sie noch weiter für die Geognosie nutzbar 
zu machen. 

Für die bessere Kenntniss der S p o n g i e n hat bereits A. R ö- 
mer 1 einen wichtigen Beitrag geliefert. 

Die Foraminiferen haben in dem ausgezeichneten Kenner 
derselben Aug. Reuss 2 in Wien einen Bearbeiter gefunden. 

Die Korallen wurden von W. Bölsche 3 bearbeitet. 

Die Brachiopoden sind von H. Credner 4 und M. Schlön- 
b a c h 5 behandelt worden. 

Ueber Cr ustaceen 6 habe ich selbst einen Aufsatz nebst Nach- 
trag dazu geliefert. 

Die Fische endlich sind durch W. von der Marek 7 beschrie- 
ben worden. 

1 Adolph Römer, Die Spongitarien des norddeutschen Kreidegebirges. 
Mit 19 Taf. 4°. (Palaeontographica.) Cassel 1864. 

2 Aug. Reus, Die Foraminiferen der westphälischen Kreideformation. Mit 
13 Taf. 8°. (Sitzungsber. der math.-naturw. Classe der kais. Akad. der Wiss. Bd. XL, 
S. 147 ff.) Wien 1860. 

Aug. Reuss, Die Foraminiferen des norddeutschen Hils und Gault. Mit 
13 Taf. 8«. (ebend. Bd. XLVI.) Wien 1862. 

3 Willi. Bölsche, Die Korallen des norddeutschen Jura- und Kreidegebir- 
ges. Mit 3 Taf. 8°. (Zeitschr. d. deutsch, geol. Gesellsch. Bd. XVIII. S. 439 ff. 
Berlin 1866.) 

4 Herrn. Credner, Die Brachiopoden der norddeutschen Hilsbildungen. 
Mit 2 Taf. (Zeitschr. d. deutsch, geol. Gesellsch. Bd. XVI. Berlin 1865.) 

5 M. Schlönbach, Kritische Studien über Kreidebrachiopoden. Mit 3 Taf. 
(Palaeontographica. Bd. XIII.) Cassel 1866. 

M. Schlönbach, Ueber die Brachiopoden aus dem unteren Gault von Ahaus 
in Westphalen. (Zeitschr. d. deutsch, geol. Gesellsch. 1866. S. 365 ff.) 

6 CI. Schlüter, Die Makruren Dekapoden der Senon- und Cenomanbildun- 
gen Wcstphalcns. Mit 4 Taf. (Zeitschr. d. deutsch, geol. Gesellsch. 1862. S. 702 ff.) 

7 W. von der Marek, Fossile Fische, Krebse und Pflanzen aus dem Platten- 
kalke der jüngsten Kreide in Westphalen. Mit 4 Taf. (Palaeontographica.) Cassel 1863. 

W. v. d. Marek und CI. Schlüter, Neue Fische und Krebse aus der 
Kreide Westphalens. (Palaeontographica.) Cassel 1867. 



Einleitung. 3 

Für die Characteristik und Altersbestimmung der einzelnen Schich- 
ten in der Kreideformation sind unter den fossilen Einschlüssen die 
Cephalopoden, wie allgemein anerkannt, von hervorstechender Wich- 
tigkeit. Seit längerer Zeit habe ich dem Vorkommen derselben eine 
besondere Aufmerksamkeit gewidmet, so dass ich hoffe, durch die 
Mittheilung meiner in loco angestellten Beobachtungen, welche durch 
Benutzung der Sammlungen paläontologischer Gönner und Freunde 
noch ergänzt werden, einzelne Lücken in der bisherigen Kenntniss 
dieser Thierklasse auszufüllen. 

Beiträge zur Kenntniss der Kreidecephalopoden werden mit dem 
vorliegenden Hefte eröffnet. 

Die Hefte werden sich so rasch folgen, als es das Zeichnen und 
Lithographiren der Tafeln gestattet. 

Was die Anordnung des zur Mittheilung kommenden Materials 
anbelangt, so erscheint es unthunlich, die Ammoniten familienweise 
zu gruppiren, da nicht das gesammte Material auf einmal zur Bear- 
beitung zu Gebote steht. Denn ist dies auch mit der eigenen 
Sammlung der Fall, so können die Exemplare fremder Sammlungen 
doch nur vor und nach benutzt werden. Für den Gebrauch des 
Buches möchte dieser Umstand sich als bequem erweisen, indem es 
möglich sein wird, die einzelnen Arten nach den Lokalitäten, und 
damit zugleich nach ihrem geognostischen Vorkommen zusammen 
zu stellen. 

Von jeder Art ist mit der möglichsten Genauigkeit der Fund- 
punkt und die horizontale wie vertikale Verbreitung angegeben worden. 

Für die einzelnen Schichten sind die gegenwärtig in Norddeutsch- 
land gebräuchlichen Benennungen angewandt. 



1. Schichten mit Belemnitella mucronata. 

2. „ n „ quadrata. 



4 Einleitung. 

3. Schichten mit Epiaster brevis und Inoceramus Cuvieri. 

4. „ „ Micraster Leskei u. Spondylus spinosus, Scaphites Geinitzi. 

5. „ „ Inoceramus Brongniarti und Ammonites Woolgari incl. Ga- 

leriten-Pläner. 

6. „ „ Inoceramus mytiloides (= labiatus) und Ammonites Cun- 

ningtoni. 

T. „ „ Ammonites Rotomagensis und Discoidea cylindrica. 

8. „ „ Ammonites varians und Mantelli. 

9. „ „ Pecten asper (Tourtia oder Grünsand von Essen). 

Es entsprechen die Schichten 

1 und 2 der oberen Kreide oder dem Senon; 

3, 4, 5, 6 dem oberen Pläner oder dem Turon; 

7, 8, 9 dem unteren Pläner oder dem Cenoman. 1 

Es ist hier nicht der Ort, näher auf die Scheidung und die Rei- 
henfolge der Schichten in der norddeutschen Kreideformation ein- 
zugehen. Es wird in den meisten Fällen bei näherer Angabe des 
Vorkommens genügen, den vorbenannten Schichten die Bezeichnung 
obere, mittlere, untere beizufügen. 

Die mächtige Folge grauer und gelblicher Mergel im südlichen 
Westphalen bei Altenessen, Stoppenberg, Herne, Castrop schliesst sich 
als tiefstes Glied der Quadraten-Kreide an, und werden dieselben als 
unterstes Senon bezeichnet. 

Die durch ihren Reichthum an fossilen Resten wohlbekannten 
Kreidemergel, welche sich von Lette in Westphalen, über Coesfeld, Holt- 
wick und Legden erstrecken, aus denen F. Römer 2 vorzugsweise 

1 Ueber die Verbreitung dieser Schichten im westphälischen Kreidebecken 
ist zu vergleichen: die Mittheilung des Verfassers in den Sitzungsberichten der 
niederrheinischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde (Verhandl. des naturhist. 
Ver. der Rheinlande und Westphalen 1865) S. 125. 

Ueber die wichtigsten Fundpunkte in Hannover und Braunschweig ist von 
Strombeck (siehe unten) und F. A. Römer „die neuesten Fortschritte in der Mine- 
ralogie und Geognosie“, Hannover 1865 S. 41 ff. zu vergleichen. 

2 Die Kreidebildungen von Westphalen. Verhandl. des naturhist. Vereins 
für Rheinland und Westphalen 1854. S. 140. 



Einleitung. 5 

Belemnitella mucronata citirt und welche auch Ho s i us 1 zu den Mucro- 
naten-Schichten stellte, boten in all den zahlreichen Aufschlusspunkten 
kein Exemplar der Hel. mucronata, dagegen Bel. quadrata in grosser 
Zahl der Individuen. Sie bilden die jüngste Schichtenfolge der Qua- 
draten-Kreide. Nicht minder reich an fossilen Resten sind übrigens 
die Kreidemergel mit Bel. mucronata, welche die obersten Schichten der 
Höhen zwischen Coesfeld und Darup bilden. Das Liegende derselben 
bildet nach den Aufschlüssen auf dem „Coesfelder Berge“ und „Da- 
ruper Berge“ ein als Baumaterial vielfach gewonnener Mergelsand- 
stein, welcher verhältnissmässig nur sparsam fossile Reste umschliesst, 
unter diesen Bel. mucronata. Die im Innern der Baumberge be- 
kannten Schichten, welche theils durch den Reichthum an fossilen 
Fischen, theils durch das häufige Vorkommen von Turrilites polyplo- 
cus 2 characterisirt werden, dürften jünger sein. 

Was die Terminologie der Ammoneenschalen anbetrifft, so dürfte 
es von allen Paläontologen für noth wendig erachtet werden, die bis- 
herige Bezeichnungsweise zu verlassen, da beim lebenden Nautilus 
die convexe Seite dem Bauche, die concave dem Rücken des Tlr’e- 
res entspricht. Es wird also im Nachfolgenden die Siphonalseite als 
Bauch, die entgegengesetzte als Rücken bezeichnet werden, wie das 
bereits von Süss und Dittmar geschehen ist. 

Um den lästigen Ballast der Citate nicht unnöthiger Weise zu 
vergrössern, wird kein Citat gegeben werden, welches sich einzig auf 
den Namen bezöge, nicht aber zugleich auch unsere Kenntniss der 
Art erweiterte. 

1 Beiträge zur Geognosie Westphalens. ebend. 1860. S. 318. 

2 A. Römer nennt freilich die Art auch aus den Hauptquadraten-Schichten 
von Dülmen. Diese Angabe ist irrthümlich. Tur. polyp. wurde in Westphalen 
niemals in anderen Schichten als den genannten gefunden und ist namentlich auch 
den oben genannten Mergeln von Coesfeld und Darup durchaus fremd. 



6 



Einleitung. 



Lange bevor das Fundament für eine wissenschaftliche Betrach- 
tung der fossilen Organismen gelegt war, hatten wie Versteinerungen 
überhaupt, so auch die Ammoneen im nördlichen Deutschland schon*« 
Interesse erregt. Die aufgefundenen und für werthvoll gehaltener/ 
Reste fanden mitunter solche Darstellungen, dass auch heute das 
Wiedererkennen keine Schwierigkeit bietet. So gedenken Nünning 
und Cohausen 1 des riesigen Ammonites peramplus aus dem jüng- 
sten Senon mit Belemnitella mucronata von Coesfeld als Oornu Am- 
monis ; den als Cornu Bisontis bezeichneten Ammonites Rotoma- 
gensis fanden sie im cenomanen Pläner bei Oeding. Selbst die grossen 
Ancyloceren des erst neuerlich wieder entdeckten unteren Gault der 
Barler Berge bei Ahaus waren ihnen wohl bekannt. Wenn huch 
im weiteren Verlaufe der Zeit des Vorkommens von Ammoneen in 
jüngeren cretaceischen Sedimenten gedacht wird, so dürfen doch 
als wissenschaftlich begründet — nachdem durch Mantel und So- 
werby eine Reihe Arten aus der Englischen und durch Brong- 
n i a r t aus der französischen Kreide bekannt gemacht waren — erst 
die Namen angesehen werden, welche F. W. Höninghaus 1830 im 
Jahrbuche für Mineralogie, Geognosie und Petrefactenkunde von 
Leonhard und Bronn 2 und H. von Dechen 1882 in seiner 
Bearbeitung des Handbuches der Geognosie von de la Beche ver- 
öffentlichten. 

Höninghaus nennt folgende Arten: 

1 Commercii literarii dissertationes epistologicae historico-physico-curiosae cla- 
rissimorum Westphaliae duumvirorum, Iodoci Hermanni Nunningii et Iohannis Hen- 
rici Cohausen de Glossopetris, Lapidibus Cordiformibus, Cornu Bisontis Petrefacto, 
Cornu Ammonis et Osse Femoris Elephantini etc. Cleomb. sec. Francofurti ad 
Moenum, anno MDCCXLVI. 

2 Versuch einer geognostischen Eintheilung seiner Versteinerungssammlung 
von F. W. Höninghaus. Siebente Abtheilung. Grünsand, Kreide. II. Cephalopo- 
den. S. 462. 



Einleitung. 



7 



Ammonites Buchii Hoen. Grünsand. Aachen. 1 
„ Lewesiensis So. Kreide. Essen. 

„ Mantelli So. Grünsand. Bochum. 

„ ornatus (Pollux). Grünsand. Paderborn. 2 
„ rusticus So. Grünsand. Bochum. 3 

„ Selleguinus Bg. Kreide. Essen. 4 

„ varians So. Grünsand. Bochum. 

Hamites intermedius So. Grünsand. Aachen. 

„ rotundus Cuv. „ „ 

Baculites Faujasii Lam. „ Bochum. 

Sämmtliche hier aufgeführten Species werden auch von H. von 
Dechen (p. 432 — 346) mit Ausnahme des Amm. Buchii und Amm. 
ornatus citirt. 

Die Zahl dieser Arten und Fundstellen hat eine wesentliche Er- 
weiterung erfahren durch das Werk von Friedrich Adolph Rö- 
mer, welches den Titel führt: Die Versteinerungen des norddeut- 
schen Kreidegebirges. Mit 16 lithographirten Tafeln. Hannover 1841. 

In diesem Werke werden aus der Kreide über dem Gault fol- 
gende Arten beschrieben und zum Theil auch abgebildet: 

Ammonites peramplus Sow. Sarstedt, Alfeld, Goslar, Strehlen, Lem- 
förde, Coesfeld, Ilsenburg, Ahlten, Dülmen, Quedlinburg. 

Ammonites Rotomagen sis Brong. Osterfeld (irrthümlich), Rethen, Lan- 
gelsheim. 

Ammonites Mantelli Sow. Iburg, Sarstedt, Goslar, Quedlinburg, Lieben- 
burg. 

1 Die Art ist niemals beschrieben oder abgebildet worden. 

2 Unverständliches Citat einer jurassischen Art. Weder Grünsand noch ju- 
rassische Schichten finden sich bei Paderborn, noch auch Formen von Ammoniten, 
welche mit Am. ornatus verwechselt werden könnten. 

3 Nach Vergleich der in Poppelsdorf liegenden Originale ergibt sich, dass 
dieselben zu Amm. Cunningtoni Sharpe gehören und aus dem Mytiloides-Pläner 
stammen. 

4 Die Darstellung des Amm. Selleguinus (Cuv. oss. foss. tab. VII, fig. 1) ist 
ungenügend für die Erkennung der Art. Die von Essen als solche bezeichneten 
Exemplare gehören zu Amm. planulatus Sow. = Amm. majorianus d’Orb. 



8 



Einleitung’. 



Ammonites bidorsatus Rom. Dülmen, Blankenburg. 

Ammonites falcatus Mant. Langelsheim, Waterlappe. 

Ammonites varians Sow. Sarstedt, Iburg, Goslar, Waterlappe. 

Ammonites coupei Brong. Sarstedt, Liebenburg. 

Scaphites aequalis Sow. Kromsberg bei Hannover. 

Scaphites obliquus Sow. Iburg. 

Scaphites costatus Mut. Alfeld, Goslar, Liebenburg, Quedlinburg. 

Scaphites inflatus Röm. Dülmen. 

Scaphites bidonosus Röm. Dülmen. 

Scaphites compressus Röm. Ahlten. 

Scaphites plicatellus Röm. Lemförde. 

Scaphites pulcherrimus Röm. Lemförde, Vaels. 

Scaphites ornatus Röm. Lemförde. 

Turrilites costatus Sow. Sarstedt, Rethen, Langelsheim. 

Turrilites tuberculatus Sow. Langelsheim, Salzgitter, Alfeld. 

Turrilites undulatus Sow. Peine, Rethen, Liebenburg. 

Turrilites polyplocus Röm. Lemförde. 

Hamit es intermedius Sow. Aachen, Peine. 

Hamites ellipticus Mant. Berne bei Hildesheim. 

Hamites plicatilis Sow. Alfeld, Berne. 

Hamites armatus Sow. Salzgitter, 

Baculites Faujasii Lmk. Aachen, Lemförde. 

Baculites anceps Lmk. Aachen, Blankenburg. 

Baculites obliquatus Sow. Rethen, Langelsheim. 

Baculites incurvatus Dujard. Quedlinburg. 

Da das Werk von Römer die wichtigste (einheimische) Quelle 
für die Kenntniss der jüngsten Ammoneen des nördlichen Deutsch- 
land ist, wir also im weiteren Verlaufe unserer Arbeit gezwungen 
sind, stets darauf zurückzugreifen, so ist es überflüssig, schon hier 
den genannten Arten critische Bemerkungen zuzufügen. Ebenso ab- 
strahiren wir davon, die gelegentlichen Notizen, welche über unsere 
jüngeren Ammoneen in verschiedenen Aufsätzen zerstreut sich fin- 
den, hier zusammen zu lesen, da es nur zu nutzlosen Wieder- 
holungen führen würde, indem doch an den erforderlichen Stellen 
Rechenschaft darüber gegeben werden muss. Wir begnügen uns 
also damit, hier diese kleineren Arbeiten zugleich mit der benutzten 



Einleitung. 9 

inländischen und ausländischen Litteratur in chronologischer Folge 
namhaft zu machen. 

1812—1830 J. Sowerby: Mineral Conchology of Great Britain voll. I — VI. 8°. 
Witli 609 plates. London. 

1822 Cu vier et Al. Brongniart: Description geologique des environs de Paris. 
4°. Avec un Atlas de 17 pll. Paris. 

1822 G. Mantell: The fossils of the South Downs, or Illustrations of the geo- 
logy of Sussex, 4°. W. 42 pll. London. 

182 7 Nilsson: Petrefacta Suecana formationis cretaceae. c. X tab. Londini Go- 
thorum 1827. 

1834 S. G. Morton: Synopsis of the Organic Remains of the Cretaceous group 
of the United States. Ulusti\ by 19 pl. 8°. Philadelphia. 

1835 F. Dujardin: Memoire sur les couches du Sol en Touraine, et description 
des coquilles de la Craie et des Faluns. Av. XX pl. (M6m. de la soci6t6 
geologique de France. Tome deuxieme. Prem. part. p. 211 — 311.) 

1840 Ale. d’Orbigny: Paleontologie Frangaise. Description zoologique et geolo- 
gique de tous les animaux mollusques et rayonnös fossiles de France. Ter- 
rains cretacees. Tom. I. Cephalopoda. 8°. Av. 148 pl. Paris. 

1841 Friedr. Ad. Römer: Die Versteinerungen des norddeutschen Kreidegebir- 
ges. Mit 16 Taf. 4°. Hannover. 

1 842 Fr. v. Hagenow: Monographie der Rügenschen Kreideversteinerungen. 
III. Abtheilung: Mollusken. (Neues Jahrbuch für Mineralogie etc. von 
Leonhard und Bronn. Jahrgang 1842. S- 528 — 575. Mit Taf. IX.) 

1845 E. Forbes; Report on the fossil Invertebrata from Southern India, collec- 
ted by Mr. Kaye and Mr. Cunliffe. p. 97 — 174. Tab. VII — XIX. (Transac- 
tions of the Geological Society of London. Sec. Ser. Vol. VII.) Lon- 
don 1845. 

1845 — 1846 Aug. Reuss: Die Versteinerungen der böhmischen Kreideformation. 
Mit 51 Taf. 4°. Stuttgart. 

1846 — 1849 Fr. Quenstedt: Petrefactenkunde Deutschlands. Der ersten Ab- 
theilung erster Band. Cephalopoden. 8°. Mit 36 Taf. in Fol. Tübingen. 

1849 — 1850 H. B. Geinitz: Das Quadersandsteingebirge oder Kreidegebirge 
in Deutschland. Mit 12 Taf. 8°. Freiburg. 

1850 Ale. d’Orbigny: Prodrome de Paleontologie stratigraphique universelle des 
animaux mollusques et rayonnes faisant suite au cours 61ementaire de 
Paleontologie et de Geologie stratigraphiques. Deuxieme volume. 8°. Paris. 

1850 H. B. Geinitz: Charakteristik der Schichten und Petrefacten des sächsisch- 
böhmischen Kreidegebirges, sowie der Versteinerungen von Kieslingswalde. 
Mit 31 Taf. Neue Ausgabe. Leipzig 1850. Die erste Ausgabe in einzelnen 
Heften, welche 1839, 1840, 1842 und 1843 erschienen. 



10 



Einleitung. 

1850 Fried. Ewald: Ueber die Gränze zwischen Neocom und Gault. (Zeitschr. 
d. deutsch, geol. Gesellsch. Bd. II. S. 440 — 478.) 

1850 Kner: Versteinerungen des Kreidemergels von Lemberg und seiner Um- 
gebung. Mit 5 Taf. (Naturwissenschaftliche Abhandlungen gesammelt von 
Haidinger. III. Bd. 2. Abth. S. 1—42.) 

1850 Al. Alth: Geognostische Beschreibung der nächsten Umgebung von Lem- 
berg. Mit 5 Taf. ebend. S. 171—284. 

1851 Fred. Dixon: The geology and fossils of the Tertiary and Cretraceous For- 
mation of Sussex. 4°. With 40 pl. London. 

1852 Ferd. Römer: Die Kreidebildungen von Texas und ihre organischen Ein- 
schlüsse. Mit 11 Taf. 4°. Bonn. 

1852 C. G. Giebel: Fauna der Vorwelt mit steter Berücksichtigung der lebenden 
Thiere. Dritter Band : Mollusken. Erste Abtheilung : Cephalopoden. 8°. 
Leipzig. 

1852 Kner: Neue Beiträge zur Kenntniss der Kreideversteinerungen von Ost- 
Galizien. (Denkschriften der kaiserl. Akademie der Wissenschaften. Wien 
1852. Bd. III. S. 293— 335. Taf. 15-17.) 

1853 — 1856 Dan. Sharpe: Description of the fossil remains of Molluska found 
in the Chalk of England. Part. I. Cephalopoda. 3 Abth. m. 27 Taf. (Mem. 
Paleont. Soc. London.) 

1854 James Hall und Meek : Description of new Species of Fossils, from the 
Cretaceous Formations of Nebraska (Memoirs of the American Academy 
of Arts and Sciences. Cambridge a. Boston. Vol. V. P. 2. p.-379 — 411.) 

18 55 Will. Baily: Description of some Cretaceous Fossils from South Africa. 
(The quat. Journ. of the geol. Soc. London, vol. XI. p. 454 — 465. With 
pl. XI-XIII.) 

1856 E. Hebert: Foss. de la craie de Meudon. (Mem. de la soc.g6ol. de France. 
2. s6r. tom. V.) 

1857 C. Giebel: Paläontologische Untersuchungen (Zeitschrift für die gesammten 
Naturwissenschaften von Giebel u. Heintz. Bd. X. S. 302 — 327.) 

1857 — 1863 W. A. Ooster: Catalogue de c^phalopodes fossiles des Alpes Suis- 
ses. Avec la description et les figures des espbees remarquables. Part. I— VI. 
av. 64 Pl. 4°. Genöve. 

1857 von Strombeck: Gliederung des Pläners im N. W. Deutschland nächst dem 
Harze. (Jahrbuch von Leonhard u. Bronn. S. 785 ff.) 

1858 . . . F. Pictet et G. Campiche: Description des fossiles du terrain cr6tac6 
des environs de Sainte-Croix. G&neve. 

1858 F. von Hauer: Ueber die Cephalopoden der Gosauschichten. (Hauer, Bei- 
träge zur Paläontologie I. 1. S. 7 — 14. Taf. I — III.) 

1859 von Strombeck: Beitrag zur Kenntniss des Pläners über der westphä- 



Einleitung. 



11 



lischen Steinkohlenformation. (Zeitschr. d. deutsch, geol. Gesellsch. Bd. XI. 
S. 27—78.) 

1861 J. Binkhorst van den Binkhorst: Monographie des Gastöropodes et des 
Cephalopodes de la craie superieure du Limburg, a. 19 pl. 4°. Bruxelles 
et Maestricht. 

1862 F. von Hauer: Ueber die Petrefacten der Kreideformation des Bakonyer 
Waldes. Mit 3 Taf. (Sitzungsberichte der kais. Akad. d. Wissenschaften in 
Wien. Bd. XLIV. S. 682-659.) 

1863 Drescher : Ueber die Kreidebildungen der Gegend von Löwenberg. (Zeitschr. 
d. deutsch, geol. Gesellsch. Bd. XV. S. 291.) 

1863 von Strombeck: Ueber die Kreide am Zeltberge bei Lüneburg. (Zeitschr. 
d. deutsch, geol. Gesellsch. Bd. XV. S. 97.) 

18 64 — 18 66 F. Stoliczka: The Fossil Cephalopoda of the Cretaceous Rocks of 
Southern India. (Memoirs of the Geological Survey of India. Palaeontolo- 
gia Indica. III. 1—13. p. 41—216. tab. 26—94.) 

1864 Geological Survey of California. Palaeontology. Vol. I. Section IV. De- 
scription of the Cretaceous Fossils by W. Gabb. p. 57 — 217. tab. 9—32. 

1865 F. A. Römer: Die Quadraten Kreide des Sudmerberges bei Goslar. (Pa- 
laeontographica. tom. XIII. p. 193— 199. tab. 32.) 

18 65 Suess: Ueber Ammoniten. Sitzungsberichte der kais. Akad. d. Wissensch. 
Math.-naturwiss. Klasse LII. Erste Abth. 6. S. 71 — 90 erste Abth. 

1865 H- Seely: On Ammonites from“tke Cambridge Greensand. (Annales and 
Magazin of Natural History. Third ser. Vol. XVI. p. 225 — 247. tab. X. XI.) 

18 66 C. Schlüter: Die Schichten des teutoburger Waldes bei Altenbeken. 

(Zeitschr. d. deutsch, geol. Gesellsch. Bd. XVIII. S. 35 — 76.) 

1866 H. Schlönbach : Ueber die Parallelen zwischen dem oberen Pläner Nord- 
deutschlands und den gleichalterigen Bildungen im Seinebecken. (Neues 
Jahrb. f. Mineral, etc. III. Heft.) 

1866 v. Hauer: Neue Cephalopoden aus den Gosaugebilden der Alpen. Mit 
2 Tafeln. Sitzungsberichte der kais. Akad. d. Wissensch. Math.-naturw. 
Klasse. LIII. Bd. Erste Abth. 3. p. 300 — 311. Mit 2 Tafeln. 



















. 



* 






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* 














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* 



AMMONITES b rdg . 



AMMONITEN AUS SENON - SCHICHTEN. 



Ammonites Coesfeldiensfs n. sp. 

Tab. X Fig. 1 — 5. 



Die Grösse dieses Ammoniten beträgt durehsehnittlich 75 Millimeter. 
Die zwei oder drei flachen Umgänge des Gehäuses bilden einen so engen 
Nabel, dass nur etwa der dritte Theil ihrer Breite darin sichtbar ist. 
Die meisten Exemplare sind comprimirt; bei diesen ist die steile Nabel- 
fläche verschwindend klein und geht mit schwacher Biegung in die Sei- 
tenfläche über. Bei anderen Exemplaren, welche so von der umgeben- 
den Gebirgsmasse eingeschlossen wurden, dass sie mit der Mündung auf 
der Schichtungsfläche liegen (Fig. 4) steht die ebene Nabelfläche senkrecht 
auf der Naht und biegt in einer rechtwinkeligen Kante zur Seitenfläche 
um. Die Seiten sind gewöhnlich flach, und nur das äussere Viertel oder 
Fünftel gegen die Bäuchkante geneigt, oder schwach gewölbt, so dass 
die Schalenöffnung ein längliches Oval bildet. Wie weit an dieser Form 
Verdrückung mitwirkt, ist nicht mit Sicherheit zu ergründen, da die 
quer im Gestein liegenden Exemplare auch wohl in Folge des Druckes 
bauchiger sind. (Siehe d. angez. Fig.) Die gegen die Bauchseite ver- 
schmälerte Mündung ist stets höher als breit. In der Jugend etwa ein 
Drittel (fig. 3), bei den grösseren Stücken mehr als die Hälfte. An der 
Nabelkante des letzten Umganges, zum Theil auf der Nabelfläche ent- 
springend, liegen etwa 16 undeutliche Knoten, von denen ein, zwei, 
auch drei Kippen ausgehen und unter denen eine schärfer hervortritt 
als die übrigen. Diese Kippen sind in der Nabelgegend und auf dem 
unteren Theile der Seiten gering, im obersten Theile der Seiten gegen 
die Bauchfläche hin stark nach vorn gezogen. Indem hin und wieder 



Ammonites Coesfeldiensis. 



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noch einzelne kürzere Rippen sich einschieben, bleibt der Raum zwi- 
schen denselben ziemlich derselbe, kommt gewöhnlich der Breite einer 
Rippe gleich und ist nur im höheren Alter um ein Geringes grösser. 
Bei Exemplaren von 75 mm. Durchmesser zählt man 66 Rippen. Dort 
wo die Seiten sich mehr dem Bauche zuneigen, und wo zugleich die 
Rippen stärker nach vorn biegen, tragen dieselben einen kleinen run- 
den Knoten. In der letzten Hälfte der äusseren Windung verschwinden 
dieselben. Ausser diesem Schmuck ist noch jede Kante des Bauches 
mit weit hervortretenden Zähnen besetzt, an deren Basis stets 2 oder 3 
Rippen enden. Diese Zähne halten nicht bis zum vollendeten Wachs- 
thum der Schale aus, sie werden auf dem letztem Drittel der äusseren 
Windung kleiner und bilden dann nur noch schwache runde Knötchen, 
und selbst diese verschwinden zuletzt auch wohl gänzlich (4 c). Der 
Bauch ist flach oder bildet eine seichte Rinne, welche gewöhnlich glatt 
ist. Bei jüngeren Exemplaren zieht sich selten eine Andeutung der 
Rippen über dieselben hin; in höherem Alter ist dieses jedoch regel- 
mässig der Fall (Fig. lc u. 4c). 

Von dieser Normalform finden sich bei kleineren und mittleren 
Exemplaren mehr oder minder erhebliche Abweichungen. Einige der- 
selben sind unter Fig. 2, 3 und 5 abgebildet worden. Die Rippen sind 
hier weniger zahlreich, einfacher, in ihrem Verlaufe mehr geradlinig. 
Zuweilen ist die Verbindung der inneren und äusseren Knotenreihe so, 
dass man an gewisse Formen des Ammonites varians gemahnt wird 
(Fig. 3). Bei denjenigen Stücken, welche eine geringe Zahl von Rippen 
tragen, sind diese stärker und weiter abstehend als gewöhnlich, zugleich 
einfach radial, nicht oder nur schwach gebogen und nur selten durch 
Einschiebung oder Theilung vermehrt. ' Uebrigens sind alle diese, nur 
selten auftretenden Formen durch Uebergänge mit der Normalform ver- 
bunden, wie dies schon das unter Fig. 5 abgebildete Exemplar anzeigt. 
Dahin sind auch noch die Stücke zu rechnen, welche weder Knoten, 
noch Zähne, die vielleicht beim Versteinerungsprocesse verloren gingen, 
tragen. Dergleichen Formen erinnern dann an Ammonites Lafresnaya- 
nus, den d’Orbigni aus dem Senon von Freville (Manche) abbildet 
(Terr. cret. tab. 97, fig. 3, 4.) 

Die Lobenlinie ist an keinem Exemplar sichtbar. Der Untersuchung 
lagen 28 Exemplare zu Grunde. 



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Ammonites Coesfeldiensis. 



Die Maasse eines grösseren Exemplars ohne die vorspringenden 
Zähne : 

Durchmesser der Schale ...... 77 Mm. 

Weite des Nabels ....... 15,5 „ 

Höhe des letzten Umganges in der Windungsebene . . 23 „ 

„ „ „ „ von der Naht bis zum Bauche 38 „ 

„ „ vorletzten „ „ * * * * * 15 „ 

Involuter Theil des vorletzten Umganges . . . • 12 , 

Dicke des letzten Umganges . . . . . 15 „ 

„ „ vorletzten ....... 6,5 „ 

Geologisches Vorkommen. Die Art gehört der senonen Kreide 
mit Belemnitella mucronata an. Ich kenne sie bis jetzt nur aus der 
Gegend von Coesfeld. Dort gehört sie, in den nordöstlich und südöst- 
lich von der Stadt verbreiteten jüngsten Kalkmergeln zu den häufi- 
geren Vorkommnissen. Da der dortige zur Agricultur verwendete Mer- 
gel sehr leicht der Verwitterung erliegt und zerfällt, so gelingt es nur 
unter günstigen Umständen, wie oft man auch Spuren entdecken mag, 
Exemplare einzusammeln. In dem festeren, das Liegende jener Mergel 
bildenden Mergelsandstein habe ich die Art niemals beobachtet, ebenso 
wenig in den petrographisch sehr ähnlichen Mergeln mit Belemn. qua- 
drata, welche von Legden und Holtwick herstreichend in der Nähe der 
Stadt ebenfalls eine schmale Zone bilden. Vorzügliche Fundstellen sind 
der Suekerhook und die Bauerschaft Harle. Auch in der Nähe von Darup 
habe ich die Art gesehen. 

Alle Originale in meiner Sammlung. 

Erklärung der Abbildungen. 

Tafel I. 

Fig. 1 Normales Exemplar, la von der Seite, lb gegen die Mündung, lc gegen 
den Bauch gesehen. 

Fig. 2 Varietät mit einfachen kräftigen Rippen, 2a gegen die Seite, 2b gegen 
die Mündung gesehen. 

Fig. 3 a, b Junges Exemplar, gegen die Seite und gegen die Mündung gesehen. 

Fig. 4 a,b Auf der Mündung liegendes, comprimirtes, sonst normal ausgebildetes 
Exemplar, gegen die Seite und gegen den Bauch gessehen. 

Fig. 5 Varietät, gegen die Seite gesehen. 

Sämmtliche Stücke in natürlicher Grösse dargestellt.